Im Interview: Dr. Miró Mitev Künstliche Intelligenz in der Vermögensverwaltung

Eine persönliche Anlagestrategie mit dem kleinsten Risiko für jeden Kunden: Das ist durch künstliche Intelligenz in der Vermögensverwaltung realisierbar. Inzwischen ist Künstliche Intelligenz auch in der Vermögensverwaltung angekommen und bietet insbesondere Vorteile für Diejenigen, die beim Anlegen nach Sicherheit suchen. Im Interview erzählt Dr. Miró Mitev, Founder & CEO der Smart Wealth AG, was Künstliche Intelligenz in diesem Bereich bedeutet, welche Vorteile entstehen und was bei der Smart Wealth AG bereits möglich ist.

Künstliche Intelligenz ist in sehr vielen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft angekommen. Auch in der Vermögensverwaltung. Was bedeutet Künstliche Intelligenz in diesem Bereich?

Künstliche Intelligenz ist bei uns auf vielen verschiedenen Ebenen eingebettet, z.B. in der Erstellung von Prognosen der künftigen Entwicklung von Aktien, Anleihen und Rohstoffen sowie in der Optimierung von Kundenportfolios. Allgemein verstehen wir unter Künstlicher Intelligenz mathematische Modelle, die auf Basis vordefinierter selbstlernenden Algorithmen selbstständig funktionieren. Künstliche neuronale Netzwerke oder genetische Algorithmen gehören dazu. Man trainiert ein solches mathematisches Modell auf der Basis von Finanzdaten in einem sogenannten überwachten Lernen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Diese Erkenntnisse werden im weiteren Vorgang angewandt, damit das Modell stetig Neues lernen kann und immer besser wird. Die neuronalen Netzwerke bilden das menschliche Gehirn durch mathematische Funktionen nach. Die Neuronen des Modells sind mit nicht-linearen mathematischen Funktionen verknüpft, die die Datenmengen verarbeiten. Das Ziel ist es, die Informationen in den Inputdaten zu verarbeiten, bis ein Modell-Output generiert wird. Dieser Modell-Output wird mit dem bereitgestellten Ziel-Output der Trainingsdaten so lange verglichen, bis die Abweichung durch das überwachte Lernen bestmöglich minimiert wird. So trainiert man einen Algorithmus. Dabei muss man darauf achten, dass kein Auswendiglernen entsteht (Overfitting), sondern dass der Algorithmus ebenfalls mit nicht bekannten Daten zurechtkommt. So funktionieren auch entsprechende Prognosemodelle. Durch das beschriebene überwachte Lernen können Prognosen für Aktienkurse erstellt werden. Damit der Prognosefehler so klein wie möglich ist, muss das KI-Modell fortlaufend optimiert werden. Daher ist es wichtig, ständig sinnvolle Inputs in die Prognosemodelle zu geben.

 

 

Prognosemodelle sind eine der entscheidenden Errungenschaften von KI in der Vermögensverwaltung. Beschreiben Sie in wenigen Sätzen wie das Prognosemodell bei Smart Wealth funktioniert?

Unsere Prognosemodelle sind so konzipiert, dass sie mit den unterschiedlichsten Variablen wie z.B. makroökonomische, fundamentale und technische Inputs mit unterschiedlichen Frequenzen umgehen können. Das Ziel ist es, die neusten Informationen, die am Markt verfügbar sind, zu nutzen und diese entsprechend auszuwerten und somit aktuelle Prognosen zur Verfügung zu stellen. Dabei sprechen wir beispielsweise von Frühindikatoren aus makroökonomischen Variablen. Solche makroökonomischen Grössen sind zum Beispiel die aktuell vielseitig diskutierte Inflation oder Arbeitslosenquote. Solche Daten sind in der Regel monatlich verfügbar. Entscheid für unser Prognosemodell sind ausserdem fundamentale Daten. Dabei handelt es sich um Daten, die einen bestimmten Sektor oder ein Unternehmen betreffen. Die fundamentalen Daten beschreiben ebenfalls die Beziehungen zwischen verschiedenen Assetklassen. Dazu gehört die Auswirkung des Währungskurses oder der Zinsen auf den Aktien- und Anleihenmarkt. Zu diesen fundamentalen Daten kommen noch technische Indikatoren dazu wie Trend und Volatilität. Diese fliessen mit täglicher Frequenz in das Prognosemodell ein. All diese genannten Inputs wirken auf die Prognosemodelle ein und machen durch KI detaillierte Prognosen möglich.

Dr. Miró Mitev ist Founder & CEO der Smart Wealth AG.

Wissen statt Spekulationen, damit wirbt Smart Wealth. Welche Vorteile bringt KI dem Verbraucher in der Vermögensverwaltung?

Jeder Kauf und Verkauf in unserem KI-gesteuerten Investmentprozess geschieht auf Grundlage von Daten und Fakten. Damit erfolgen diese Prozesse objektiv, sind systematisch und 100% modellbasierend und hängen nicht von menschlichen Entscheidungen ab. Das hat den Vorteil, dass Gefühle wie Angst oder Ungeduld keine Rolle spielen. Solche Gefühle sind für einen langfristigen Anlageerfolg schädlich. Dadurch können wir für unsere Kunden sicherstellen, dass sie ein Portfolio mit dem höchstmöglichen Ertrag und geringsten Risiko erhalten. Dieses Portfolio ist wissenschaftlich und faktenbasiert und beruht nicht auf menschlichen Gefühlen, wodurch das Risiko deutlich verringert wird.

 

 

Durch KI scheinen bei Smart Wealth massgeschneiderte Anlagestrategien mit einem entsprechenden Anlagevehikel für Kunden möglich. Wie kann ich mir das als Kunde vorstellen?

Für eine massgeschneiderte Anlagestrategie brauchen wir von unserem Kunden die persönlichen Präferenzen. Der Kunde kann bestimmen, welche Branchen dabei sein sollen. Beispielsweise können Themen wie Nachhaltigkeit berücksichtigt und Branchen ausgeschlossen werden, die nicht nachhaltig handeln. Durch die KI und die genetische Portfoliooptimierung wird von uns ein optimales Portfolio mit dem kleinsten Risiko für den jeweiligen Kunden kreiert. Bei der genetischen Portfoliooptimierung ist es das Ziel, ein optimales Portfolio mit dem höchstmöglichen Ertrag für ein vorgegebenes Risiko zu finden. Daher kann ein persönliches, optimales und risikoeffizientes Portfolio auf der Basis von vorgegebenen Restriktionen durch die KI entwickelt werden. Privatkunden können ihre passende Anlagestrategie für die Erreichung ihrer Vermögensziele durch unseren KI-basierenden Rechner auswählen lassen. Anschliessend können sie über unseren vollautomatisierten Onboarding-Prozess rasch und bequem ihr Wertpapierdepot eröffnen und die ausgewählte Strategie von unserem KI-Investmentprozess umsetzen lassen.  

 

Wir bei Smart Wealth können für einen vermögenden Privatkunden in ca. zwei Wochen seine persönliche Anlagestrategie in einem persönlichen, aktiv verwalteten Zertifikat (in englisch, Actively Managed Certificat AMC) mit einem Schweizer ISIN umsetzen. Im Gegensatz zu einem Fonds muss man nicht sehr lange auf eine Genehmigung warten. Wir haben uns auf Actively Managed Certificates AMCs spezialisiert, die immer mehr an Beliebtheit gewinnen, auch ausserhalb der Schweiz. AMCs haben viele Vorteile, da sie sehr flexibel, sicher, kosteneffizient und schnell umsetzbar sind. Die AMCs werden durch sogenannte voll segregierte Zweckgesellschaften (in englisch: SPVs) emittiert. Damit wird das Emittenten-Ausfallrisiko praktisch eliminiert. Die AMCs können als eine echte Alternative zu Fonds gesehen werden.

 

 

Die Vermögensverwaltung ist präsenter denn je, dennoch gibt es viele Menschen, die Angst haben zu investieren und lieber ihr Geld auf dem Sparbuch lassen. Wie kann KI die Ängste potenzieller Kunden verringern?

Grundsätzlich gilt: Man muss immer investiert sein, um einen langfristigen Erfolg zu erzielen. Nur in Zeiten von Rezessionen oder starken Markteinbrüchen macht es Sinn, die Investitionen zu verringern. Langfristig ist nur ein Erfolg zu erwarten, wenn man nachhaltig plant und die Anlagestrategie systematisch umsetzt. Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass, wenn man auf KI setzt und auf der Grundlage erprobter und geprüfter Algorithmen gehandelt wird, Investieren langfristig sehr erfolgreich ist. Menschliche Komponenten wie das Bauchgefühl sind bei langfristigen Investitionen eher schwierig. Daher ist langfristiges Investieren mit System erfolgversprechender. KI bemerkt viele Entwicklungen, bevor es Menschen tun. Wenn die Prognosen rechtzeitig zeigen, dass die Erwartungen für die Zukunft nicht gut sind, dann reduziert unsere KI die Positionen in den riskanteren Assets, investiert das Kapital in Cash oder in festverzinsliche Papiere und reinvestiert, wenn die Prognosen für Assets positiv sind.

 

Das Jahr 2020 ist ein gutes Beispiel für eine Rezession. Unsere KI bzw. unsere Prognosen haben schon Ende Februar die negativen Veränderungen erfasst. Das heisst wir haben die Position in Aktien bereits schon Ende Februar reduziert und man hat weniger verloren. Die KI hat aber auch verstanden, dass die globale Wirtschaft mit der Unterstützung der Zentralbanken und Regierungen trotz der Pandemie weiterrollen müsste und es nicht mit der Finanzkrise 2008 vergleichbar ist. Deshalb konnten wir bereits im April/ Mai wieder in den Markt einsteigen und haben eine weltweit Top-Performance erzielen können. Wir reduzieren die Verluste in solchen schwierigen Phasen um mehr als 50% im Vergleich zur Benchmark und wenn der Markt wieder dreht und sich die Konjunktur erholt, dann wird durch die KI wieder relativ rasch in den Markt investiert. Dass es gut funktioniert, hat sich in den letzten Jahren klar und deutlich gezeigt.

Je besser die Daten, desto präziser sind die Prognosen.

Gibt es auch Risiken, die KI in der Vermögensverwaltung darstellt?

In jeder Vermögensverwaltung gibt es Risiken. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass 8 von 10 aktiven Managerinnen und Managern eine Performance erzielen, die unterhalb ihrer Benchmark liegt. Darin liegt auch der Erfolg der ETFs begründet. Natürlich gibt es auch Risiken beim Einsatz der KI in der Vermögensverwaltung. Eine KI ist ein mathematisches Modell, welches datenbasiert arbeitet und kein Hellseher ist. Dabei können Unsicherheiten in den Daten auftreten und es existieren auch fehlerhafte Daten, die Prognosefehler und damit das Risiko von Fehlsignalen erhöhen. Aufgrund unserer langen Erfahrung weisen unsere Modelle allerdings eine hohe Trefferquote von fast 60% auf. Das ist sehr gut, wenn man von Trackrecord -Prognosen spricht. Damit erzielen wir langfristig eine überdurchschnittliche Performance, die weit über der Benchmark liegt. Eine genaue Spezifizierung der Risiken und Gefahren der verschiedenen KI-Systeme in der Vermögensverwaltung bei den unterschiedlichen Anbietern zu beurteilen ist als Externer schwierig. Beim Training eines künstlichen neuronalen Netzwerks gibt es viele Möglichkeiten, Fehler zu machen z.B. durch Overfitting. Die Entwicklung und Wartung von Modellen basierend auf künstliche Intelligenz ist sehr aufwendig. Es benötigt viele Jahre an Erfahrung und Vorbereitungen sowie regelmäßiger Anpassungen im gesamten Prozess, damit alles miteinander automatisiert und abgestimmt ist.

 

Auf welche Entwicklungen können wir uns in der Zukunft freuen?

Wir als Team von Smart Wealth arbeiten seit 20 Jahren mit Künstlicher Intelligenz. Dass wir uns bereits zu diesem Zeitpunkt mit Modellen und Prognosen basierend auf KI beschäftigt haben, war sehr fortschrittlich und wir haben die Prognosen für die ersten KI-basierenden Produkte von sehr renommierten Banken geliefert. Es wird viele Entwicklungen in der Zukunft geben. Wenn ich den aktuellen Stand von KI und Prognosemodellen mit dem von vor 20 Jahren vergleiche, ist der Fortschritt enorm. Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium und sehr wenige Menschen haben überhaupt verstanden, welche Fortschritte während der letzten 20 Jahre passiert sind. Die Zeit ist reif für KI. Es werden sehr viele Neuigkeiten kommen, denn wer einmal KI verwendet, wird sofort die Vorteile erkennen und nicht mehr darauf verzichten wollen. Wenn ich einmal mit einem vollautomatischen Auto inklusive Navigationssystem gefahren bin, will ich nicht mehr komplett darauf verzichten. Viele Dinge sind mit KI besser und sehr viel einfacher und werden sich daher durchsetzen. Daher können wir uns auf vieles im Bereich KI auch in der Vermögensverwaltung freuen, auch bei Smart Wealth.

Erstellt: 31.01.2022 07:00 Uhr

Paid Post

Dieser Beitrag wurde von onlineimpact. in Kooperation mit Smart Wealth AG erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.