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Negroni

Negroni: Der neue Kenner - Cocktail an der Bar

Der Negroni wurde nach dem Grafen Camillo Negroni benannt, der zwischen 1919 und 1920 zum ersten Mal einen mit Gin verstärkten Americano bestellte. Im Caffè Casoni in Florenz wurde dann der entsprechende Cocktail erfunden.  Seitdem hat sich viel bei dem aus Gin, Campari und Wermut bestehenden Cocktail getan. Der Cocktailexperte Robert Schröter spricht im Interview über spannende Entwicklungen und Rezepte.

Der Negroni gilt als neuer Kenner - Cocktail an der Bar

Cocktails aus Campari, Gin und Wermut

1. Was macht Negroni besonders, Herr Schröter?

R. Schröter: Der Negroni ist ein klassischer Cocktail mit italienischen Wurzeln und ist damit einer der wenigen aus Europa stammenden, klassischen Cocktails. Er ist inzwischen einer der grössten Aperitif Klassiker geworden. Das Rezept ist eigentlich recht simpel und kann daher auch gut nachgemacht werden und trotzdem ist er so vielfältig interpretierbar. Die einzelnen Zutaten können adaptiert und in dem jeweiligen Feld können Alternativen verwendet werden. Dadurch kann der Negroni eine ziemliche Bandbreite von Geschmäckern ansprechen, obwohl es immer der gleiche Cocktail bleibt.


2. Für welche Anlässe eignet sich Negroni? Wie würden Sie ihn trinken?

R. Schröter: Dadurch, dass er in erster Linie bitter und dann aber süsslich schmeckt, ist er appetitanregend. Er ist der ideale Aperitif. Hinsichtlich der Zielgruppe ist er für den etwas geschulteren Trinker interessant, da er aufgrund seines Charakters intensiv schmeckt und auch ein bisschen hochprozentiger und stärker als zum Beispiel ein Gin Tonic ist. Damit eignet er sich für jemanden, der vielleicht nur einen Drink trinken möchte. Da er vielseitig einsetzbar und interpretierbar ist, funktioniert er zu den verschiedensten Anlässen wie als Aperitif oder als Cocktail bei Sonnenuntergang nach dem Dinner.

Ein Negroni eignet sich als Cocktail bei Sonnenuntergang oder auch als Drink in einer gemütlichen Kneipe

Der vielversprechende Dry Cocktail

3. Welchen Geschmackstyp spricht Negroni an? Bei wem ist er beliebt?

R. Schröter: Das ist sehr interessant, da der Negroni ja schon 100 Jahre alt ist. In den 100 Jahren hat Negroni sehr unterschiedliche Trinkgewohnheiten gesehen und auch unterschiedliche Arten von Trinkern für sich gewonnen. Vor 20 Jahren hat der Negroni noch nicht viele Punkte für sich gesammelt, da er für die meisten zu kräftig und zu bitter war. Damals waren einfach süssere Drinks beliebter. Über die Jahrzehnte hat sich der Geschmack geändert und das tut er jetzt auch wieder. Wir sehen seit 10 Jahren ein steigendes Interesse an bitteren und trockenen Spirituosen und damit werden auch trockenere Drinks beliebter. Vor 20 Jahren sprach Negroni nur erfahrene Trinker an, vor 10 Jahren dann immer mehr Bartender, die mehr ausprobieren wollten und inzwischen spricht er auch immer mehr junge Leute an, sogar unter 25-jährige. Auf die letzten Jahre zurückblickend ist das sehr ungewöhnlich und der Negroni hat inzwischen eine immer grössere Fanbase, die komplexere Drinks suchen. Den Drink hätte vor 20 Jahren niemand bestellt und inzwischen findet er sich eigentlich in den Top Bars in Europa auf den Karten wieder und er hat es fast in den Mainstream geschafft. Da sich Menschen in Europa viel mit ihrer Ernährung beschäftigen, werden Cocktails, die weniger Zucker beinhalten und etwas bitter sind, immer beliebter.

4. Wird der Negroni daher noch seinen Durchbruch erleben?

R. Schröter: Der Drink hat zu starke Kanten und einen zu gefestigten Charakter, um allen zu gefallen. Innerhalb der Klientel, die gerne komplexere Cocktails mögen und die ein bisschen kulinarischer an Drinks herangehen, werden wir mehr Negronis sehen. Zusätzlich wird Negroni dem Aperol Spritz einiges abgewinnen.

Das Rezept von Negroni lässt sich an den Anlass anpassen

Das passende Rezept entwickeln

5. Welche verschiedenen Zubereitung / Rezepte gibt es für einen Negroni?

R. Schröter:  Der Trick dieses Drinks ist es, dass er aus gleichen Anteilen aus Campari als Orangenbitter mit fruchbekannter Süsse, aus rotem Wermut und aus Gin besteht. Zwei dieser drei Zutaten sind Kategorien und keine Marke. Man kann zum Beispiel einen trockenen Gin nehmen oder einen etwas süsseren mit Rosmarin und damit schmeckt der Negroni schon unterschiedlich. Es bietet sich auch an, verschiedene Wermute mit unterschiedlicher Bitterkeit zu verwenden. Dadurch hat der Negroni eine ziemliche Bandbreite, sodass er auf der Terrasse bei Sonnenuntergang funktioniert oder auch in der Zigarrenlounge. Der Ursprung ist eher eine herzhaftere, bittere und trockenere Version, die zum Beispiel so in Italien getrunken wird. Es wird bestimmt noch viele Weiterentwicklungen geben, die etwas mutiger sind. Den weissen Negroni gibt es ja schon ein paar Jahre, bei dem ein weisser dry Wermut und einen fast farblosen Campariersatz verwendet wird. In der Schweiz gibt es auch Potenzial, statt Gin Fruchtbrand zu verwenden, wodurch das Fruchtaroma eine wichtige Rolle spielt, der Drink trotzdem aber nicht süss wird. Vielleicht bietet sich ein Williams Christ oder gelagerter Apfelbrand an! Dadurch gibt es die Möglichkeit einen Swiss-Groni zu machen.

Erstellt: 23.09.2020 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von onlineimpact. in Kooperation mit Distillerie Studer erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.