Tokenisierung Mit Token digital investieren – in fast alles

Diamanten, Rotweine, Gemälde, Oldtimer, Häuser oder Wertpapiere – wer sich das alles nicht original und am Stück kaufen kann, der kauft sich einen Token. Die werden sozusagen als «digitale Abbilder» der realen Wertgegenstände verkauft und erlauben dem Besitzer die Partizipation an der Wertentwicklung des jeweiligen Gegenstandes.

Mit Token digital investieren – in fast alles

Stückelung grosser Einzelwerte

Der Vorteil liegt darin, dass sich durch die Tokenisierung eine Stückelung des Gegenstandswertes realisieren lässt. Unter Computerexperten – daher kommt das Wort – bedeutet Tokenisierung die Zerlegung eines in Computersprache verfassten Programmes in kleinste Einheiten. Das ist genau das, was die Tokenisierung realer Beteiligungswerte charakterisiert: Die Zerlegung von realen Werten in eine kleinste Werteinheit und deren digitale Abbildung.

Beispielsweise offerieren einschlägige Anbieter digitale Anteile mit Bezug zu teuren Oldtimern, sei es ein Alfa Romeo Giulia oder ein Porsche 911 frühen Baujahrs. Andere machen für geringe Beträge von wenigen hundert Franken die Beteiligung an Immobilien möglich. An sich kosten diese Objekte einige zehntausend beziehungsweise hunderttausend Franken. Wer jedoch entsprechende Token kauft, steigt mit wenig Geld ein.

Token sind digitalisierte Anleihen

Allerdings gehört einem via Token weder eine Schraube vom Alfa Romeo noch eine Stufe im Mehrfamilienhaus. Es werden formell betrachtet nämlich nur Finanzprodukte digitalisiert. In der Regel sieht das rechtliche Konzept solcher Angebote wie folgt aus: Der Anleger erwirbt in beiden Fällen den digitalisierten Anteil einer Anleihe oder Schuldverschreibung. Diese wird von einer Objektgesellschaft ausgegeben, die mit dem eingesammelten Geld den jeweiligen Gegenstand kauft und in ihrem alleinigen Besitz behält.

Oftmals handelt es sich dabei um nachrangige Anleihe-Anteile. Damit rangieren die Ansprüche der Anleger hinter denen von Banken, falls solche den Objektkauf mitfinanzieren. Die als Anbieter der Kapitalanlage auftretende Internetplattform stellt nur einen Marktplatz für den Verkauf oder Handel dieser digitalen Anteile oder Token
bereit.

Die Sonderform des NFT

Eine weitere Variation bieten die so genannten NFT (non-fungible Token). Zum leichteren Verständnis: Der Alfa Romeo oder das Haus wurden wertmässig in eine feste Anzahl von Token zerlegt, die untereinander gleich und damit austauschbar sind. Bei einem NFT ist das anders. Dieser existiert genau einmal und ist deshalb nicht austauschbar.

NFTs kommen vorrangig auf dem Gebiet der Kunst zum Einsatz, also kaufen sich Anleger hier einen einzigartigen Token, der ein nur einmal existierendes Werk repräsentiert. Das Angebot einzigartiger Werke ist allerdings gigantisch: Die Plattform OpenSea allein bietet mehr als 34 Millionen NFTs zum Kauf an. Den künftigen Da Vinci herauszufischen, erfordert wohl etwas Glück. Ferner sollte man genau prüfen, ob ein Werk auch wirklich von dem Künstler stammt, dem es vom Verkäufer zugeschrieben wird. Spannen mehrere Händler zusammen, können sie NFT-Preise in die Höhe treiben und Anlegern das Gefühl geben, der Preis würde weiter steigen.

Zugang zu exklusiven Anlageklassen

Der grosse Vorteil der Tokenisierung für die Kapitalanlage liegt in der Stückelung der Objektwerte. Dadurch erhalten Anleger Zugang zu Anlageklassen, die ihnen bisher verschlossen waren. Ergänzt man sein Portfolio durch qualitativ hochwertige Token zuverlässiger Anbieter auf Anlageklassen wie Kunst, Wein, Edelsteine oder Automobile, kann man an deren erhoffter Performance teilhaben.

Marktvolumen steigen rasch

Tokenisierung führt heute keineswegs ein Nischendasein. Das Weltwirtschaftsforum hat prognostiziert, dass in fünf Jahren bis zu zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung in tokenisierter Form handelbar sein könnten. Für die Schweiz hat die Beratungsgesellschaft Zeb Consulting laut dem Portal inside-it.ch ein Marktvolumen digitaler Anlagen wie Kryptowährungen und Wertpapier-Tokens von rund sieben Milliarden Franken ermittelt. Schon in zwei Jahren soll es mehr als die siebenfache Summe sein.

In der Schweiz ist eine ganze Reihe von Unternehmen sehr aktiv, wenn es um den Bereich von Krypto-Assets geht, darunter einige kleinere Banken. Das zeigt eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern. Auch die Schweizer Börse steht nicht abseits: Ihre Dachgesellschaft hat selbst bereits eine tokenisierte Anleihe über 150 Millionen Franken ausgegeben. Mit der SDX Trading hat sie bereits einen Marktplatz für den Handel solcher Werte ins Leben gerufen.

Erstellt: 09.05.2022 07:00 Uhr

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