Effizient und sauber Elektromobilität: Alltagstest bestanden

Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch. Günstiger Unterhalt, Alltagstauglichkeit und kein Schadstoffausstoss gehören zu den Gründen. Im Thurgau beschleunigen zudem Förderbeiträge die Verbreitung.

Die Stunden des Parkens können zum Laden genutzt werden.

Der Kanton Thurgau verzeichnete im letzten Jahr bei den Personenwagen (PW) rund 6’000 Neuzulassungen. Die batterie-elektrischen Fahrzeuge erreichten mit rund 680 einen Anteil von 11,2 Prozent. Mit diesem Wert liegt der Thurgau weit über dem nationalen Schnitt von 8,2 Prozent und nur knapp hinter dem Kanton Zürich (12 %) – ein Erfolg, der unter anderem auf die Lancierung der kantonalen Förderung der Elek­tromobilität zurückzuführen ist (vgl. Kasten). Ende 2018 betrug die Rate an neu zugelassenen Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb erst zwei Prozent. Seit 2019 leistet der Kanton Thurgau eine Umstiegsprämie an Elektro- und Wasserstoffautos, was sich bereits im ersten Jahr in einem Anstieg auf 7,4 Prozent auswirkte. Dazu fördert der Kanton auch die Erstellung von Ladeinfrastruktur in bestehenden Mehrfamilienhäusern. Der Thurgau setzt aber nicht nur finanzielle Massnahmen um. Es finden regelmässig Info-Anlässe und Probefahrten statt, um die Leute zu informieren und ihren Bedenken und Fragen auf direkter Weise begegnen zu können. Nicht zu vergessen: Der Kanton ist sich seiner Vorbildfunktion bewusst, erstellt selbst Ladeinfrastruktur für Mitarbeitende und kauft neue Fahrzeuge nach Nachhaltigkeitskriterien ein.


Überzeugend im Alltag

Zur steigenden Beliebtheit der Elektromobilität trägt auch die Entwicklung bei Fahrzeugen und Batterien bei. Nach Beurteilung des Energieberaters und langjährigen Elektromobilnutzers Michael Scheurer aus Braunau hat in den letzten Jahren ein eigentlicher Schub stattgefunden. Als er sich vor rund sechs Jahren mit der Anschaffung eines Autos auseinandersetzte, war die Auswahl an elektrisch-betriebenen Fahrzeugen, insbesondere Kleinwagen, noch sehr begrenzt. Die Reichweite eines kleinen Modells lag bei gut 150 Kilometern.


Michael Scheurer entschied sich damals zusammen mit seiner Frau Claudia für ein Fahrzeug, das sie bis heute, als Familie mit zwei kleinen Kindern, überzeugt. Zu guten Konditionen konnten sie ausserdem vor zwei Jahren die alte durch eine neue Batterie ersetzen, sodass ihr Elektromobil pro Ladung gut 250 Kilometer weit fährt.
Im Alltag ist nach ihren Erfahrungen die Reichweite aber kein Thema. Wie die meisten Nutzerinnen und Nutzer, brauchen Claudia und Michael Scheurer den Wagen vor allem für die Fahrt zur Arbeit und können ihn dort oder zu Hause an eine Ladestation anschliessen. Denn normalerweise stehen Fahrzeuge Stunden ungenutzt auf einem Parkplatz oder in der Garage – bereit zum Laden.

Die Umstiegsprämie fördert die Anschaffung von Kleinwagen. Das zeigt die Auswertung nach Modellen: Im Kanton Thurgau steht der Renault Zoe an der Spitze, in der gesamten Schweiz ist mit grossem Abstand der Tesla der beliebteste batterie-elektrische PW.

Strom vom eigenen Dach


Zu Hause hat die Familie Scheurer eine Photovoltaikanlage mit einer Jahresproduktion von rund 7’000 kWh installiert, die das Elektromobil mit Sonnenstrom versorgt. «Wir haben vor einiger Zeit unseren Elektroboiler durch einen effizienten Wärmepumpenboiler ersetzt und sparen dadurch jährlich gerade so viel Strom, wie wir für unser Fahrzeug brauchen», stellt Scheurer einen Vergleich an. Pro Jahr legen sie circa 12’000 Kilometer zurück und benötigen dafür rund 2’000 kWh Strom. Das sind umgerechnet 1,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer.


Ruhige Beschleunigung


Ebenso zeichnet sich der PW durch geringen Unterhalt aus. Mit dem Ersatz der Bremsbeläge mussten Scheurers erst nach 120’000 Kilometern Fahrt eine Reparatur vornehmen. Vor allem aber sind sie vom Fahrgefühl begeistert; von der ruhigen, fast gleitenden Fahrt und der stufenlosen Beschleunigung. «Für uns war beim Erstkauf ausschlaggebend, dass wir mobil sein können, ohne die Umwelt mit CO2 zu belasten. Heute sind wir von der Nutzung so überzeugt, dass wir sicher auch beim nächsten Wagen ein Elektrofahrzeug kaufen werden.»


Effizient und sauber


Verbesserungspotenzial sieht Michael Scheurer bei den öffentlichen Ladesystemen. Sie unterscheiden sich je nach Anbieter und basieren auf unterschiedlichen Karten und Apps, diversen Tarifen und Konditionen. Für ihn wäre das Laden beispielsweise über eine bestehende Bankkarte eine bessere Lösung. Dass zukünftig eine einfache Lösung gefunden wird, steht für ihn ausser Frage. Die Verbreitung der Elektromobilität, so Scheurer, lasse sich nicht aufhalten. Daran trage, neben dem umweltfreundlichen Betrieb, die Effizienz des Elektromotors mit einem bis viermal höheren Wirkungsgrad als ein diesel- oder benzin-betriebener PW wesentlich bei. 

Nur mit erneuerbarem Strom

Auf der Basis des Berichts «Chancen der Elektromobilität für den Kanton Thurgau» lancierte der Kanton auf den 1. Januar 2019 neue Fördermassnahmen mit dem Ziel, auch im Bereich der Mobilität den CO2 - Ausstoss im Sinne der Energiepolitik zu senken. Kernstück ist die Umstiegsprämie. Wer sich ein Elektro- oder ein Wasserstoffauto anschafft, erhält einen Förderbeitrag von heute 2’000 Franken, der an zwei Bedingungen geknüpft ist: Ein Halter hat nur dann Anspruch, wenn er – sofern bereits im Besitz – ein Fahrzeug der gleichen Kategorie ausser Verkehr setzt und 100 Prozent erneuerbaren Strom bezieht. Erweitert oder installiert er im Zuge der Anschaffung eine Solarstromanlage, spricht der Kanton daran ergänzend einen Förderbeitrag.

 

Erstellt: 12.03.2021 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von onlineimpact. in Kooperation mit Abteilung Energie erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.