Elektromobilität Thurgau Elektromobilität muss auf Strom aus erneuerbaren Energien fussen

Im Thurgau wird Elektromobilität erfolgreich gefördert. Walter Schönholzer über kantonale Spitzenwerte, die echte Herausforderung bei der Ladeinfrastruktur und seine Meinung zur landesweiten Prämie.

Herr Schönholzer, warum sehen Sie in der Elek­tromobilität die Zukunft?
Die Elektromobilität ist sehr energieeffizient, im Betrieb CO2-neutral und reduziert den Schadstoffausstoss. Dass die Fahrzeuge bei langsamer Fahrweise und beim Beschleunigen leiser sind, kommt vor allem den Wohnquartieren zugute.


Wie forcieren Sie im Kanton Thurgau die Verbreitung der Elektromobilität?
Der Kanton Thurgau hat im Jahr 2018 einen Grundlagenbericht zur schnelleren Marktdurchdringung der Elektromobilität publiziert. Die 15 darin aufgeführten Massnahmen, welche die Bereiche finanzielle Anreize, Vorbildfunktion der öffentlichen Hand, Information und Beratung, Pilot- und Demonstrationsprojekte sowie staatliche Vorgaben abdecken, werden nun sukzessive umgesetzt.


Im Jahr 2019 lag im Kanton Thurgau der Anteil neu eingelöster reiner Elektrofahrzeuge bei 7,4 Prozent – schweizweit absoluter Spitzenwert. Wie schaut es aktuell aus?
2020 lag der Anteil bei 11,2 Prozent, im ersten Quartal 2021 bei 12,2 Prozent. Zum Vergleich: Schweizweit lag der Anteil 2020 bei 8,23 Prozent, im ersten Quartal 2021 bei 8,38 Prozent.


Inwiefern schlägt sich das bei den CO2-Emissionen nieder?
Da der Anteil von Elektrofahrzeugen im Bestand noch gering ist, zeigt sich ein Effekt erst mittelfristig. Da jedoch der CO2-Ausstoss des Verkehrs rund ein Drittel der CO2 Gesamtemissionen ausmacht und davon zwei Drittel auf das Konto von Personenwagen gehen, ist das Potenzial sehr gross.


Die gute Bilanz bei den Neuzulassungen war ein Grund für die Auszeichnung mit dem «Goldenen Stecker» durch den Verband Swiss Emobility im September 2020. Aber auch die Förderung der E-Mobilität, die auf erneuerbarem Strom aufbaut ...
Über diese Auszeichnung haben wir uns sehr gefreut. Sie zeigt, dass unser eingeschlagener Weg in der Schweiz wahrgenommen wird. Die Elektromobilität kann ihre Vorteile erst dann ausspielen, wenn die Fahrzeuge mit erneuerbarem Strom geladen werden. Der zeitgleiche Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion ist ein zentraler Pfeiler, um den Personenverkehr nachhaltiger zu gestalten. Aus diesem Grund zahlt der Kanton Thurgau auch einen Bonus, wenn zeitgleich mit dem Kauf eines Elektrofahrzeugs eine Solarstrom­anlage installiert wird.

 

Walter Schönholzer, Regierungsrat Departement für Inneres und Volkswirtschaft

Mit Blick auf das Pandemiejahr 2020: Wie bewerten Sie die Lage im Kanton Thurgau?
Insgesamt sind die Neuzulassungen über alle Antriebsarten hinweg auch im Kanton Thurgau eingebrochen. Jedoch hat die Zahl der Fördergesuche für Elektrofahrzeuge im Jahr 2020 stark zugenommen – von rund 450 Gesuchen in 2019 auf rund 750 Gesuche in 2020.


Seit Beginn dieses Jahres wurde die Umstiegsprämie erneut reduziert – von zuletzt 3’500 auf maximal 2’000 Franken. Warum?
Erfreulicherweise nimmt die Elektromobilität nun Fahrt auf, was auch eine wachsende Fahrzeugpalette nach sich zieht. Es sind vermehrt auch günstigere Fahrzeugmodelle auf dem Markt. Der finanzielle Anreiz, um auf Elektromobilität umzusteigen, kann somit reduziert werden.


Keine massentaugliche E-Mobilität ohne flächendeckende Ladeinfrastruktur – wie sieht es bezüglich des Ausbaus der Ladestationen im Kanton Thurgau aus?
Die grösste Herausforderung sehe ich in der Ladeinfrastruktur in bestehenden Mehrfamilienhäusern. Oftmals bestehen unterschiedliche Auffassungen zwischen Vermieter und Mieter oder unter den Stockwerkeigentümern. Um dies zu entschärfen, unterstützt der Kanton die Erstellung von Ladeinfrastrukturen in Mehrfamilienhäusern finanziell. Eine kompetente Beratung zur Lösungsfindung ist hier entscheidend.


Kurz zurück zum Kaufanreiz: Das Modell des Kanton Thurgaus ist hier erfolgreich – müsste der Bund da nicht mit einer landesweiten Prämie nachziehen?
Ich würde eine landesweite Umstiegsprämie sehr begrüssen. Wie wir im Kanton Thurgau
gesehen haben, zeigt eine solche Prämie eine klare Wirkung. Eine gesamtschweizerische Förderung würde auch den Autoverkäufern entgegenkommen.


Was entgegnen Sie Kritikern, die der Meinung sind, dass staatliche Zuschüsse nur kurzfristig wirken?
Das Ziel dieser Förderung ist, die Leute zügig zum Umstieg zu bewegen. Wer einmal ein Elektrofahrzeug gefahren ist, wird feststellen, dass die Technik zuverlässig, das Laden zu Hause und unterwegs problemlos und das Fahrgefühl unbeschreiblich angenehm ist.

Erstellt: 10.06.2021 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von onlineimpact. in Kooperation mit Abteilung Energie erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.