Im Interview: Reiner Langendorf «Machen Sie es wie beim Velofahren»

Energieeffizientes Fahren spart viel Geld, schont die Umwelt und erhöht die Sicherheit. Mit welchen Tipps dies am besten bei Verbrennern und E-Autos funktioniert, erläutert Reiner Langendorf.

«Machen Sie es wie beim Velofahren»
Motor abstellen an der Ampel lohnt sich.

Herr Langendorf, immer wieder hört man, dass vorallem neue Autos alles selber machen. Ist das so?

Das kann ich so nicht bestätigen. Bis die Fahrzeuge alles können, wird es noch dauern. Die Fahrerassistenzsysteme unterstützen mehrheitlich bei Komfort und Sicherheit. Natürlich ist es praktisch, wenn das Auto von allein parkiert. Sogar lebensrettend ist es, wenn es einen Notbremsassistenten gibt. Tempomat und Start-Stopp helfen bei der Effizienz. Schlussendlich bringen die Systeme jedoch nur etwas, wenn sie auch eingeschaltet und richtig bedient werden. Insofern ist und bleibt der Mensch weiterhin entscheidend.

Wo liegt im Fahrverhalten der grösste Hebel für Einsparungen?

Vorausschauend fahren, Abstand halten, den Schwung nutzen und rollen lassen – diese Punkte bringen am meisten. Machen Sie es wie beim Velofahren: Kommt eine rote Ampel, lassen Sie das Velo auch einfach rollen. Ich empfehle zudem, niedertourig zu fahren. Wer 50 km/h fährt, kann in der Regel locker im sechsten Gang fahren. Stattdessen im dritten Gang unterwegs zu sein, braucht bis zu 45 Prozent mehr Treibstoff. Bei Automaten sowie E-Auto hilft der Eco-Modus beim Sparen.

Gibt es weitere Einsparpotenziale?

Auch die Start-Stopp-Automatik ist lohnenswert und kann innerorts bis zu zehn Prozent ausmachen – jeder Liter zählt. Allein in der Schweiz verbrennen jährlich rund 100 Millionen Liter Treibstoff, obwohl der Motor gar nicht laufen müsste. Und gleichmässiges Fahren bringt sehr viel, genauso wie die Klimaanlage gezielt zu nutzen, also unter 18 Grad Aussentemperatur abzuschalten sowie das Fahrzeug zu entrümpeln. Übrigens: Wer energieeffizient fährt, ist automatisch sicherer unterwegs – allein schon wegen der entspannteren und ruhigeren Fahrweise.

Inwiefern genau?

Wenn Sie vorausschauend fahren und Abstand halten, haben Sie Handlungsspielraum. Das heisst, Sie haben dann die berühmte Sekunde mehr Zeit, um reagieren und Gefahren verringern zu können. Auch besteht bei niedertourigem Fahren weniger Schleudergefahr – gerade auf nassem oder schneebedecktem Untergrund. Nicht zuletzt spielen in Verbindung mit Energieeffizienz und Sicherheit die Reifen und der Reifendruck eine entscheidende Rolle.

«Machen Sie es wie beim Velofahren»

Worauf gilt es bei der Reifenwahl zu achten?

Reifen haben einen wesentlichen Einfluss auf Verbrauch und Sicherheit. Es geht darum, den Druck regelmässig zu kontrollieren und beim Neukauf auf aktuelle Tests des TCS und die Reifenetikette zu achten. Die Etikette gibt unter anderem über Sicherheitsaspekte und Rollwiderstand Auskunft.

Was ist grundsätzlich beim E-Auto von Belang?

Zum Heizen des E-Fahrzeugs wird die Energie aus der Batterie gezogen, weshalb es sinnvoll ist, auf kurzen Strecken lediglich die Sitz- und Lenkradheizung einzuschalten. Auch beim Bremsen Strom zu gewinnen, also zu rekuperieren, sollte gezielt genutzt werden. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie für die anderen Antriebssysteme. Und: Ladestände unter 20 und über 80 Prozent sollten vermieden werden, das schont die Batterie.

Was ist bei einem Plugin-Hybrid-Auto wichtig zu wissen?

Plug-ins sind nur dann effizient, wenn sie wirklich elektrisch gefahren werden. Das Auto regelmässig zu laden, ist entscheidend. Nicht selten werden diese Fahrzeuge nur fossil gefahren – mit entsprechend übermässigem Treibstoffverbrauch.

Ist schon abschätzbar, wie gross zukünftig das Einsparpotenzial durch energieeffizientes Fahren sein wird?

Heute liegt das umsetzbare Potenzial bei rund zehn Prozent, was sich bis zum Jahr 2030 laut Experten nicht ändern wird. Heute können wir in der Schweiz durch energieeffizientes Fahren rund 500 Millionen Liter Treibstoff und 100 Gigawatt Stunden Strom sparen. 2030 werden es 500 Gigawatt Stunden Strom und 300 Millionen Liter Treibstoff sein. Der Einfluss des Menschen ist und bleibt gross.

Kann ich eine energieeffiziente Fahrweise in der Fahrschule erlernen?

Ja, auf jeden Fall. Wichtig ist, dies von Beginn an zu tun. Hier sind die Fahrlehrer:innen in der Pflicht – aber auch die Begleitpersonen. Sie sollten sich mit den neuesten Regeln und Techniken auseinandersetzen. Ein Fahrcoaching kann hier helfen, in Sachen Technik, Energieeffizienz und Regelwerk wieder à jour zu sein. Wenn Fahrlehrer und Begleitperson an einem Strick ziehen, ist sehr viel für die gute Ausbildung der Neulenker erreicht.

Im Interview

Reiner Langendorf
Geschäftsführer
Quality Alliance Eco-Drive
E: reiner.langendorf@ecodrive.ch
www.ecodrive.ch

Erstellt: 07.07.2024 07:00 Uhr

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