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Digitalisierung

Wenn Roboter das Kommando übernehmen

Um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein, müssen sich Schweizer Unternehmen digitalisieren. Doch wozu ist Digitalisierung überhaupt in der Lage und welche Branchen sind heute bereits führend?

Wenn Roboter das Kommando übernehmen

Wer heutzutage einen Blick hinter so manches Werkstor wirft, sieht dem Wandel der Zeit mitten ins Gesicht: Statt dutzender Arbeiter, die an Fliessbändern und monoton laufenden Maschinen stehen und im Akkord Bauteile zusammenbringen, übernehmen inzwischen in immer mehr Werkshallen Industrieroboter ihre Arbeit – effizient und ressourcenschonend wie nie zuvor. Nur noch selten greift der Mensch selbst ein, vielmehr versorgt er die Maschinen, etwa mit Material sowie Daten zum Produktdesign und Arbeitsablauf.

Hightech gibt den Ton an

Und das ist erst der Anfang: Denn in der Fabrik der Zukunft sind Werkstück und Maschine intelligent. Komplett vernetzt steuern sie selbstständig die Produktion, sodass Experten angesichts der unzähligen bahnbrechenden Möglichkeiten sogar schon von einer vierten industriellen Revolution sprechen. Stichwort Industrie 4.0. Und wie könnte die Praxis konkret aussehen? Ausgestattet mit Namen und Adressen manövrieren alle Bauteile, die für ein Produkt notwendig sind, selbstständig kilometerweit durch die digitale Fabrik.

Beim Eintreffen an einer Bearbeitungsstation wird der Rohling nicht nur erkannt, auch ruft die Maschine alle relevanten Informationen in Echtzeit ab. Um Abweichungen vom Soll direkt entdecken und Fehler beheben zu können, werden zudem nach jeder Station automatisch Messungen durchgeführt. Weiterer Vorteil: Da während der Bearbeitung alle relevanten Daten im digitalen Lebenslauf gespeichert werden, ist auch später jede Herstellungsstufe einzeln nachvollziehbar – ein Beispiel, das zeigt, wozu Industrie 4.0 in der Lage ist. Denn nicht nur die Produktivität kann um bis zu 30 Prozent steigen, auch erhöhen sich die Qualität und Diversität der Produkte um ein Vielfaches. Ganz abgesehen von den verkürzten Zeiträumen von der Entwicklung bis zur Produktion – immer mit dem Ziel, den individuellen Kundenwünschen gerecht zu werden und dabei kostengünstig zu bleiben.

Unterschiedliche Prioritäten

Klar ist dennoch: Auch wenn die Digitalisierung immens voranschreitet, variiert das Tempo in Schweizer Unternehmen. Grosskonzerne sind fortgeschrittener, KMU hinken oftmals noch hinterher. Wie das Institut für Unternehmensführung IFU-FHS an der Fachhochschule St.Gallen in ihrem Ende August 2017 veröffentlichten vierten KMU-Spiegel feststellt, bestünde gerade bei KMU eine grosse Unsicherheit, den Fokus in puncto Digitalisierung richtig zu setzen. Während im produzierenden Gewerbe und der Baubranche Effizienzsteigerungen oberste Priorität hätten, stünden für Dienstleister die Automatisierung und für die IKT-Branche neue Geschäftskonzepte im Mittelpunkt. Dagegen seien im Handel und Gastgewerbe neue Kunden und digitale Vertriebswege von Bedeutung.

Vorreiter Telekommunikation

In welchen Branchen die Digitalisierung bereits Fuss gefasst hat, fand Ende 2016 eine Studie von PwC Schweiz, Google Switzerland und digital­switzerland unter 300 befragten Schweizer KMU heraus. Demnach setzen die befragten Unternehmen im Bereich der Telekommunikation und der Medien verstärkt auf digitale Prozesse und Modelle, dicht gefolgt vom öffentlichen Sektor, zu dem jedoch auch Stiftungen und Schulen gezählt werden, die tendenziell stärker digitalisiert sind. Nachholbedarf haben dagegen Unternehmen aus den Bereichen Finanzdienstleistung, Energie und Versorgung sowie Einrichtungen im Gesundheitswesen.

Chancen und Herausforderungen

Welche Probleme stehen noch im Weg? Neben den notwendigen finanziellen Ressourcen in den Unternehmen fehlt es häufig an Kompetenzen bei Mitarbeitenden. Zudem befürchten Unterneh­men der Informations- und Kommunikations­technik beispielsweise den Eintritt neuer Wettbe­werber, während in der Dienstleistungsbranche sowie für Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen die Datensicherheit besonders wichtig ist. Trotz einiger Skepsis überwiegen jedoch branchenübergreifend die positiven Stimmen. Als grösste Chance werden Effizienzsteigerungen durch die Automatisierung von Prozessen sowie Marktvorteile durch eine höhere Produktionsgeschwindigkeit gesehen. Und nicht nur das: Mit der Digitalisierung eröffnen sich neue Geschäftsfelder und erhebliche Kostenvorteile, was die Chancen für eine digitale Wende doch erheblich erhöht.

Erstellt: 25.02.2020 07:00 Uhr