Interview mit Nadia Rahim, CEO bei itnetX Digital und modern arbeiten - Worauf sich Firmen wirklich konzentrieren sollten

Modernes und digitales Arbeiten wurde während der Coronapandemie für Firmen unerlässlich. Was hat sich dadurch verändert, was gibt es für Herausforderungen und worauf sollten sich Firmen besonders konzentrieren? Nadia Rahim, CEO bei itnetX ist Expertin in diesem Bereich und verrät im Interview, worauf sich Firmen besonders konzentrieren sollten.

Frau Rahim, Sie sind CEO bei itnetX (Switzerland) AG, welche Themen beschäftigen Sie aktuell besonders?

Ich bin noch recht neu in dieser Rolle und genau dieser Begriff von Rolle stört mich. Die Begrifflichkeit ist für mich etwas veraltet und ich will sie kreativ und neu definieren. Mir ist es wichtig, nicht als CEO im klassischen Sinne aufzutreten, damit kann ich mich nicht identifizieren. Daher habe ich mir überlegt, dass man die drei Buchstaben auch anders betiteln kann, um meinen Werten gerecht zu werden. C steht dann für Customer, E für Employee und O steht für das, was wir investieren müssen, um unser Objective zu erreichen. Mich beschäftigt aktuell, was wir in unserem gesamten System verändern müssen, um als Firma erfolgreich zu sein. Dafür ist es meiner Meinung enorm wichtig, bei den Menschen anzufangen, sowohl beim Kunden als auch bei den Mitarbeitenden. Ich möchte sehr kollaborativ unterwegs sein und ich denke, irgendwo sind wir alle CEOs und sollen als Mitarbeitende und Kunden denken.

Was bedeutet für Sie persönlich digitales und modernes Arbeiten? Welche Technologien sind relevant?

Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, was bedeutet Arbeit heutzutage generell? Welche Art von Arbeit benötigen wir, um der Geschwindigkeit, Komplexität und Vielfalt der Probleme gerecht zu werden? Eine Person allein genügt nicht, um Probleme zu lösen. Es braucht mehrere Menschen, um neue und passende Lösungswege herauszuarbeiten. In diesem Zusammenhang macht es Sinn, Technologien einzusetzen, um mehr Kollaboration zu ermöglichen. Dazu gehört zum Beispiel, alle Dokumente an einem Ort zu speichern, damit alle Beteiligten gemeinsam und gleichzeitig an dem Dokument arbeiten können. Somit können die ganzen E-Mails mit Anhängen eingespart werden. Kommunikation, Kollaboration und Transparenz sind dabei für mich die Schlüsselbegriffe. Es sind daher eher kulturelle Themen, die gefordert und gefördert werden sollten. Denn wenn man das kulturelle Mindset hat, dann macht es Sinn, auch die Technologie anzubieten.

Nadia Rahim ist CEO bei itnetX (Switzerland) AG

Was muss sich in der Zukunft in diesem Bereich besonders verbessern bzw. wo liegen die Herausforderungen?

Das Zusammenspiel von Menschen und Technologie ist extrem wichtig. Die kulturellen Themen bilden das Fundament, die Technologie untermauert und stärkt das Fundament. Natürlich kann auch mal zuerst die Technologie ausprobiert werden, um die Menschen zu motivieren. Cloud Technologien bieten viele Möglichkeiten für Unternehmen und Mitarbeitende an. Aus Unternehmensperspektive ist es dabei wichtig, nicht in Projekten zu denken, sondern ich auf eine Reise einzulassen. Eine Firma ist gut beraten, einen professionellen Reisebegleiter an der Seite zu haben. Firmen sollten sich fragen: «Was brauchen wir, was sind unsere Herausforderungen und wie kann uns die Technologie dabei unterstützen? »

Die Generationen unterscheiden sich sehr, wenn es darum geht, digital zu arbeiten. Wie gelingt es, Mitarbeitende aller Generationen im Bereich digitales Arbeiten zufriedenzustellen?

Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass wir lernen auch zu entlernen, besonders bei etwas älteren Menschen. Meine Tochter beispielsweise ist mit Teams und Chats grossgeworden und findet E-Mails eher befremdlich. Ich komme aus einer ganz anderen Generation und Menschen wie ich müssen Lernen bestimmte Dinge, die sie früher gelernt haben zu entlernen, ohne Angst zu haben. Change Management ist dabei der Schlüsselbegriff. Bei diesem Prozess sollte man die Mitarbeitenden in den Mittelpunkt rücken und ihnen sagen, wieso wir das als Firma gerade machen, wie die Technologie das Leben einfacher macht und was es für neue Methoden braucht, um sie zu nutzen. Mitarbeiterbegleitung ist entscheidend und dass man sich alles ganzheitlich anschaut. Wenn die Mitarbeiter nicht wissen, was sie mit der Technologie sollen, dann liegt das Potential brach und bringt niemandem etwas. Wir bieten bei itnetX an, Mitarbeitende zu begleiten und auch die IT zu schulen. Dabei zeigen wir ihnen, was sie Neues lernen müssen und auch, welche Dinge sie entlernen sollten. Da wird der Begriff «Lernende Organisation» auf einmal ganz real.

Worauf sollten sich Firmen mehr konzentrieren, die Technologie oder die Mitarbeitenden?     

Weder noch – sondern auf den Menschen! Es ist sinnvoll dabei weniger in Rollen zu denken und viel mehr in Menschen. Wer ist man wirklich, was brauche ich und wo sind meine Schwächen? Wichtig ist auch, offen zu kommunizieren, Schwächen zuzulassen und diese anzusprechen. Dann erst kann über Verbesserungen nachgedacht und an diese angeknüpft werden. Es ist nicht immer alles einfach oder machbar. Authentizität ist sehr wichtig.

Hat die Pandemie die Arbeitswelt nachhaltig im Bereich Digitalisierung verändert? Profitieren Firmen und Mitarbeitende in Zukunft von der Zeit?

Durch den Lockdown haben wir wahrscheinlich schneller digitalisiert als in den letzten zehn Jahren. Die Not, die wir letztes Jahr hatten, dass alle von zu Hause arbeiten mussten, hat den Firmen gezeigt, dass modernes Arbeiten nicht «nice to have», sondern notwendig ist. Es war vielleicht die Möglichkeit, ein neues Zeitalter einzuläuten und hat uns vor Augen geführt, dass man offen miteinander arbeiten muss. Das moderne Arbeiten ist lediglich ein Mittel zum Zweck. Jede Firma steht vor der Herausforderung, sich zu fragen, warum sie moderner und innovativer werden und wie sie sich von der Konkurrenz abheben kann. Wir raten unseren Kunden immer: «Konzentriert euch auf eure Stärken, die Aspekte, die euch von der Konkurrenz unterscheidet und Innovationen hervorbringen.»

Haben Sie Tipps, worauf sich Firmen in Zukunft einstellen sollten, wenn es um modernes Arbeiten geht?

Ein Tipp ist, dass man einfach Dinge ausprobieren muss. Dadurch lernt man Neues und gleichzeitig Altes zu entlernen, man definiert Fehler neu und schaut, was es für ein Potenzial bei Mitarbeitern gibt. Ich denke, es ist wichtig, davon wegzukommen, dass alles ganz exakt durchgeplant wird. Es ist oft viel sinnvoller, einfach mal etwas auszuprobieren und kleinere Schritte zu gehen. Und ganz wichtig ist es, Fehler als eine grossartige Chance zu sehen.

Erstellt: 01.06.2021 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von onlineimpact. in Kooperation mit itnetX (Switzerland) AG erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.