Digitales Bauen Es braucht einen Schub

Die Baubranche gehört zu einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz – dennoch bleibt dort die Digitalisierung hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das ist schade und kostet viel Geld.

Es braucht einen Schub

Roboterhunde, die Gebäude kontrollieren, Häuser aus dem Drucker, Drohnen, die über Baustellen ihre Runden drehen – was nach Science-Fiction klingt, ist im Prinzip schon Realität. Der digitale Wandel ist überall zu finden und schwappt, wenn auch langsam, in die Baubranche über. Building Information Modeling (BIM), sprich das digital vernetzte Planen, Ausführen und Bewirtschaften von Gebäude, tönt – mit Blick auf das, was da noch alles auf die Baustellen des Landes zukommen wird – schon fast wie ein «alter Hut». Wobei, in puncto digitaler Prozessdurchlässigkeit hakt es noch, wie eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Pom+ und der Organisation Bauen digital Schweiz/buildingSMART Switzerland ergeben hat.


BIM-Potenzial besser nutzen

Zwar erachten 63 Prozent der Befragten die Anwendung von BIM für ihr Unternehmen als relevant, gegenwärtig jedoch vorrangig bei Planung und Erstellung von Gebäuden. «Der Mehrwert von BIM kann jedoch nur über den gesamten Lebenszyklus realisiert werden», meint Alar Jost, Co-Autor und Vice Chair bei buildingSMART Switzerland. Die Umfrageergebnisse deuteten darauf hin, dass die Bedeutung der digitalen Prozessdurchgängigkeit und Automatisierung noch nicht vollumfänglich verstanden wird, heisst es weiter. Auch der Lösungsweg, um BIM als Grundlage für ein durchgängiges Datenmodell des Gebäudes (Digital Twin) im Markt zu etablieren, scheine noch unklar zu sein. Der digitale Zwilling gehört zum Kern der BIM-Methode und hat das Ziel, möglichst viele Gebäudeinformationen im Voraus digital zu modellieren.


Kommunizierende Laufroboter

Doch damit nicht genug des digitalen Potenzials: Selbst der Bau von Hochhäusern kann durch die Digitalisierung optimiert werden. «Noch vor einigen Jahren hätte man es für unmöglich gehalten, Beton zu drucken. Jetzt können wir sogar ganze Häuser mithilfe von 3D-Druck errichten», sagt Kay Smarsly, seit März 2021 Professor und Leiter des neuen Instituts für Digitales und Autonomes Bauen (IDAC) an der Technischen Universität Hamburg. Wie sehen die Gebäude der Zukunft aus, ist die Frage, mit dem sich der Experte in seiner Forschung beschäftigt. Sein besonderes Interesse gilt dabei unter anderem dem Beton-Druck, der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie intelligenten Sensoren, die für die Überwachung von Brücken, Talsperren oder Hochhäusern eingesetzt werden.
Aktuell arbeiten Smarsly und sein Team an intelligenten Laufrobotern, die Bauwerke überwachen und miteinander kommunizieren können. Mithilfe von Laserscannern und weiteren Sensoren erfassen sie Messdaten von Gebäuden, die sie dann durch KI selbstständig analysieren und an die angeschlossenen Computersysteme weiterleiten. «Die Roboter können sich eigenständig in den Bauwerken zurechtfinden und erinnern dabei ein wenig an herumstreunende Hunde», erklärt der TU-Professor. Sobald die Roboter bei ihren Kontrollgängen Auffälligkeiten im Beton messen, zum Beispiel Risse, werden die verantwortlichen Mitarbeitenden auf der Baustelle sofort digital benachrichtigt. Das erleichtere nicht nur die Bauarbeiten, sondern mache die Gebäude auch sicherer.


Sich der Digitalisierung öffnen

Auch wenn die Vorteile des digitalen Bauens – einfach ausgedrückt: schneller, günstiger, sicherer – auf der Hand liegen, gibt es im Bauwesen eine grosse Hürde, welche die Digitalisierung zu überwinden hat: eine verankerte, traditionell konservative Haltung. Experten raten dazu, Vorteile, Einsatzfelder innovativer Technologien, aber auch deren Problemfelder zu identifizieren und erklärbar zu machen. Die Menschen, die das Bauwesen mit Leben füllen, sind gefordert, radikal umzudenken, innovativen Technologien offen zu begegnen, sie zu hinterfragen und persön­liche Fachkompetenzen daran auszurichten und neue aufzubauen. Dazu gehört auch der Umgang mit den Unmengen an Informationen und Daten.

Der Umschwung ist in den Augen von Markus Weber, Präsident Bauen digital Schweiz, auch dringend nötig, wie er gegenüber dem SRF äusserte: «Es gibt Statistiken, die zeigen, dass wir pro Jahr drei bis fünf Milliarden Franken für Fehlerbehebungen ausgeben.» Das zeige, dass der Bau mit den heutigen Methoden und Prozessen am Anschlag sei und der BIM-Methode die Zukunft gehört.

Erstellt: 06.08.2021 07:00 Uhr

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