CEO Adrian Schatzmann im Interview «Technologie sei Dank»

Die Asset Management Association Switzerland legt 2023 einen starken Fokus auf Technologie-Themen. CEO Adrian Schatzmann erklärt, was der Branchen-Verband damit für Ziele verfolgt.

Individualisierte Anlage-Portfolios per Knopfdruck

Herr Schatzmann, die Asset Management Association Switzerland (AMAS) hat im Jahr 2022 einige Pflöcke eingeschlagen, vor allem im Bereich Nachhaltigkeit: beispielsweise in der Prävention von Greenwashing und mit der Selbstregulierung  zu Transparenz und Offenlegung bei Kollektivvermögen mit Nachhaltigkeitsbezug. Wo liegen im kommenden Jahr die Prioritäten der AMAS?

Nachhaltigkeit wird eine strategische Priorität bleiben, sowohl für AMAS als auch für den Finanzplatz.  Wir haben das gemeinsame Ziel, die Schweiz als führenden Standort für nachhaltiges Asset Management zu etablieren.

Was sind die weiteren Prioritäten?

Ein besonderer Fokus wird 2023 auf dem Thema Technologie liegen. Wie für die Nachhaltigkeit stellen wir uns bei der AMAS immer die grundsätzliche Frage: Welche Rahmenbedingungen brauchen wir und welche Massnahmen müssen wir treffen, damit die Schweizer Asset Management Industrie auch in einer Dekade zur globalen Spitze gehört? Dabei wollen wir auch die hervorragenden Voraussetzungen in der Schweiz als Technologiestandort mit ihren Hochschulen, mit ihrem internationalen Talentpool und dem vorhandenen DLT-Cluster nutzen.

«Aktivitäten der AMAS sind komplementär zu den Technologieinitiativen der Unternehmen»

Im Zentrum stehen Fragestellungen rund um den Investmentprozess, zum Beispiel mit Blick auf AI, die Tokenisierung, Data und die Realisierung von Skaleneffekten bei der Verwaltung von Anlageportfolios.

Sollten Technologie und Digitalisierung nicht ohnehin zu den laufenden Prioritäten eines jeden Finanzunternehmens und Asset Managers gehören?

Die Aktivitäten der AMAS sind komplementär zu den zahlreichen unternehmensspezifischen Technologinitiativen und konzentrieren sich auf das «öffentliche Gut», das heisst auf Aspekte, die für die gesamte Branche relevant sind, wie beispielsweise eine zukunftsgerichtete Regulierung oder der Zugang zu qualitativ hochwertigen und standardisierten Daten.

Was bedeutet dies für Ihre Kunden?

Ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel, wie der technologische Fortschritt auch für die Endanleger greifbar wird: Während in der Vergangenheit die meisten Anlegerinnen und Anleger nur über einen Anlagefonds Zugang zu einem breit diversifizierten Aktienportfolio erhielten, so ermöglicht zum Beispiel die Technologie heute die breite Portfoliodiversifikation auch für kleinste Vermögen ausserhalb eines regulierten Anlagefonds. Im Gegensatz zu einem Anlagefonds kann ein derartiges Portfolio zudem individualisiert und – Technologie sei Dank – der Anlegerschaft sogar die Ausübung von Stimmrechten ermöglicht werden.

Der Regulator dürfte hier ein Wort mitreden.

Natürlich, die Asset-Management- und Fondsindustrie ist in einem hoch regulierten Bereich tätig, was massgeblich zum hohen Vertrauen der Anleger in Fondsprodukte beiträgt. Neue Anbieter und ihre Technologie-Anwendungen operieren dagegen oftmals in einem weniger regulierten Bereich. Das wollen wir als Verband thematisieren: Wie stellen wir ein sogenanntes «Level Playing Field» sicher? Wie sieht hierfür eine zukunftsgerichtete, technologieneutrale und produktagnostische Regulierung aus, welche sowohl dem Anlegerschutz als auch den Chancen und Interessen für unsere Industrie Rechnung trägt?  

Wie geht die AMAS das Thema Technologie an?

Wir haben unlängst die Governance im Verband weiter modernisiert. Im ersten Quartal 2023 wird der Fachausschuss Technologie, bestehend aus erfahrenen Technologie-Experten unserer Mitgliederinstitute, seine Arbeit aufnehmen.

«Der DLT-Cluster ist in der Tat eine grosse Chance»

Der Fachausschuss wird eine strategische Roadmap mit Prioritäten und Zielen entwickeln, die dem gemeinsamen Interesse der Schweizer Asset Management Industrie entsprechen, und die notwendigen Massnahmen zur Zielerreichung festlegen. 

Die Schweiz ist eine Vorreiterin und hat seit 2021 eine gesetzliche Regelung für die Blockchain-Technologie oder DLT, die Innovation und Wachstum ermöglichen soll.

Der Schweizer DLT-Cluster ist in der Tat eine grosse Chance für den Schweizer Finanzplatz und insbesondere für die Asset Management Industrie. Im Zentrum steht dabei nicht nur die Digitalisierung von Vermögenswerten und die damit verbundene Schaffung von neuen Anlagemöglichkeiten, sondern auch die Tokenisierung von Anlagefonds.

Wie sehen die konkreten Arbeiten der AMAS hier aus?

Gemeinsam mit der Multi Chain Asset Managers Association (MAMA) entwickeln wir einen Prototyp für die Erstellung und Verwaltung eines tokenisierten Anlagefonds. Im Zentrum dieser Arbeiten stehen konkrete Anwendungsfälle zur Depotverwahrung, Risikomanagement und Bewertung, welche uns auch regulatorischen Handlungsbedarf aufzeigen werden.  

Kontakt

Asset Management Association Switzerland

www.am-switzerland.ch

office@am-switzerland.ch

Erstellt: 17.12.2022 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von Xmediasolutions in Kooperation mit Im Interview erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.