Schlafstörungen «Schlaflosigkeit ist mehr als nur Wachliegen»

Dr. Martina Keller*, Ärztin für Allgemeine Innere Medizin, litt jahrelang unter Schlafstörungen. Aus einer persönlichen Krise fand sie einen Weg, mit ihren Schwächen umzugehen –  und zu erholsamem Schlaf.

«Schlaflosigkeit ist mehr als nur Wachliegen»

Frau Keller, wann haben Sie gemerkt, dass Sie unter Schlafproblemen leiden?
Ich schätze, ich litt bereits während meiner Assistenzzeit an Insomnie. Dort fiel mir das Problem nicht so auf. Ich dachte, das komme von den langen Arbeitszeiten. Als ich vor 25 Jah­ren meine Hausarztpraxis eröffnete, hatte ich weiterhin Schlafprobleme. Das tat ich damit ab, dass Schlafstörungen eine typische Begleiterscheinung des selbstständigen Arztberufs sein könnten. Erst später wurde mir bewusst, dass meine Schlafprobleme tiefer gingen.

Wie hat sich das auf Ihren Alltag ausgewirkt?
Das Sozialleben leidet, weil man ständig Angst davor hat, zu wenig Schlaf zu bekommen. Abendliche Aktivitäten habe ich oft gemieden. Beruflich machte mir die Erschöpfung zu schaffen, was Zweifel an meiner Leistungsfähigkeit auslöste. Psychisch litt ich unter Reizbarkeit und dem Gefühl, ständig auf Sparflamme zu laufen.

Kennen Sie die Ursache Ihrer Insomnie?
Meine Kindheit wurde geprägt durch Glaubenssätze, die zu einer hohen Leistungsbereitschaft beitrugen. Ich war nie vollständig zufrieden, hatte dauernd das Gefühl, nicht zu genügen. Diese innere Unruhe hat mich jahrelang getrieben. Eine persönliche Krise führte mir dann vor Augen, wie sehr ich mich selbst unter Druck setze. Das war der Anstoss, mich mit den Ursachen meiner Schlaflosigkeit vertieft auseinanderzusetzen.

Wie würden Sie Ihre Nächte beschreiben?
Mittlerweile schlafe ich sehr gut, dank eines neuartigen Schlafmittels und indem ich gelernt habe, mit Stress und innerem Druck besser umzugehen. Ich weiss jedoch noch sehr genau, was sich bei Menschen mit Insomnie abspielt: Man liegt nicht einfach wach, sondern legt sich bereits mit dem Gedanken ins Bett, nicht einschlafen zu können. Schafft man das Einschlafen, erwacht man häufig in der Nacht und hat wieder Angst, nicht mehr einschlafen zu können.

Haben Sie versucht, die Schlaflosigkeit auf eigene Faust zu bekämpfen? 
Als Ärztin wusste ich, wie wichtig Schlafhygiene ist. Doch es fiel mir schwer, die Empfehlungen im stressigen Alltag umzusetzen. Eine Zeit lang nahm ich schlafan­stossende Antidepressiva, die meinen Schlaf leicht verbesserten. Aber die Nebenwirkungen machten mir zu schaffen. Schliesslich habe ich im Austausch mit Therapeuten gelernt, mit meinen inneren Glaubenssätzen umzugehen. Seit ich nicht mehr gegen mich selbst kämpfe, geht es mir gut. Ich bin gelassener und nehme es nicht mehr so ernst, wenn ich mal nicht schlafen kann. In Kombination mit dem neuen Schlafmittel kann ich nun aber meistens durchschlafen. 

Was möchten Sie an­deren Menschen mit Schlafproblemen mit auf den Weg geben?
Seien Sie gut zu sich selbst und holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Es gibt wirksame medizinische Ansätze. Ein vertrauensvoller Austausch mit einer Fachperson kann Wunder wirken.

*Name wurde geändert

 

Machen Sie jetzt den persönlichen Schlaftest: Scannen Sie den QR-Code und finden Sie heraus, ob bei Ihnen Anzeichen einer Schlafstörung vorliegen. 
Der Test gibt Ihnen eine erste Orientierung und zeigt, ob eine weitere Abklärung durch eine Fachperson sinnvoll ist.

«Schlaflosigkeit ist mehr als nur Wachliegen»

Informationen für besseren Schlaf auch auf netzwerkschlaf.ch

Schon gewusst?

Gemäss dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) leiden 38 Prozent der Schweizer Bevölkerung unter Schlafproblemen, wobei Insomnie zu den häufigsten Schlafstörungen zählt. Dauern die Ein- und Durchschlafprobleme länger als drei Monate und beeinträchtigen die Tagesaktivität, spricht man von Chronischer Insomnie.
Chronische Insomnie lässt sich behandeln, beispielsweise mittels kognitiver Verhaltenstherapie oder neuartigen Medikamenten, ohne die Nebenwirkungen herkömmlicher Präparate. 

Erstellt: 25.09.2025 07:00 Uhr

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