Tütenhüter «Was niemand hat und jeder braucht»

Als Fremde flogen sie zusammen nach Thailand. Und kehrten als Geschäftspartner zurück in die Schweiz. Sandra Gschwend und Christian Diethelm sind die Entwickler des «Tütenhüters» und der «Tubeschruberi».

Gründerin Sandra Gschwend, Gründer Christian Diethelm

Menschen sind manchmal ganz schön verrückt. Das trifft auch auf Sandra Gschwend und Christian Diethelm zu. Sie gelernte Floristin, er gelernter Zimmermann. Kurz vor Weihnachten 2017 lernten sich die beiden Ostschweizer auf einer Dating-Plattform kennen und waren sich auf Anhieb sympathisch. Ein paar Tage später fand das erste physische Treffen statt, am 25. Dezember machten sich die damals 33-Jährige und der 29-Jährige gemeinsam auf die Reise. Nach Thailand. Im Gepäck hatte Sandra nicht viel mehr als eine visionäre Idee und den Traum von der Selbstständigkeit. Sie wollte ein eigenes Produkt entwickeln und auf den Markt bringen. Eines, das in der Schweiz noch niemand hat und doch jeder braucht. Christian wollte einfach raus aus der Komfortzone: «08/15 wird mir schnell einmal langweilig.»

Auf und davon

Im Minivan, der Fortbewegungsmittel, Schlafplatz, Küche und Büro zugleich war, fuhren Sandra und Christian drei Wochen lang 4‘852 Kilometer durch den Norden Thailands. Klar, dass man auf so einer langen Reise immer wieder Musik hört. Peter Rebers «E Vogel ohni Flügel» zum Beispiel, oder Göläs «Uf u dervo». Die Vögel, die in diesen Songs Freiheit, Unabhängigkeit und Grenzenlosigkeit symbolisieren, hatten es den beiden angetan. So war der künftige Firmenname schnell gefunden: «böörds» wollten sie heissen. Und die Geschäftsidee? Ein neuartiges Verschlusssystem für Tüten sollte es werden. Ein System, das mehr Ordnung und Platz in den Haushalt bringt und mit dem sich erst noch Food Waste bekämpfen lässt.

Von 0 auf 100

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz wartete eine Menge Arbeit auf Sandra und Christian. Abklärungen mit der Patentanwältin treffen, Businessplan schreiben, Hersteller finden, Finanzierung klären, Prototyp erstellen, Verpackung designen, Logo kreieren und natürlich Firma gründen. Im August 2018 war die Feuertaufe der böörds AG. Vier Monate später stand der «Tütenhüter» zum Vertrieb bereit. Hinter diesem «etwas germanisch anmutenden Namen», wie Sandra gerne zugibt, verbirgt sich ein praktisches Stäbchen aus Kunststoff, mit dem sich alle Arten von Verpackungen wasser- und luftdicht verschliessen lassen und die darin befindlichen Lebensmittel vor dem Verderben bewahrt. Die Handhabung ist kinderleicht. Ausserdem ist der Tütenhüter spülmaschinen- und gefrierfest.

Swiss Label-zertifiziert

Das neue Produkt fand auf dem Schweizer Markt sogleich reissenden Absatz. Vier Wochen nach Verkaufsstart hatten Sandra und Christian bereits 1‘000 6er-Sets verkauft. Der Tütenhüter wurde vor allem an Fachmessen und auf Weihnachtsmärkten vertrieben und erhielt zusätzlichen Schub durch eine Homestory in der «Schweizer Familie» und den Auftritt in der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz».

Dann der Schock: Mitten im geschäftlichen Aufschwung kam Corona. Die geplanten Messen wurden gecancelt. Ein herber Einschnitt für das junge Unternehmen, das zuvor einen Drittel des Umsatzes mit Publikumsmessen erzielte. Zum Glück hatten Sandra und Christian noch ihren Online-Shop, mit dem sie nun tolle Umsätze generierten. Geholfen hat zudem, dass böörds im Frühling 2020 die Zertifizierung «Swiss Label» erhielt. Gerade in der Pandemie geniessen Produkte made in Switzerland grosse Aufmerksamkeit.

Frei und unabhängig

Heute, viereinhalb Jahre nach ihrer Thailand-Reise, ist Sandra Gschwend rundum glücklich. Die 38-Jährige hat eine Arbeit, die sie liebt und die anderen nützt. Und vor allem ist sie ihr eigener Chef. Sie ist nicht an fixe Arbeitszeiten gebunden, und auch nicht an einen fixen Arbeitsplatz: «Als digitale Nomadin brauche ich nur meinen Laptop.» So arbeitet sie oft am Wochenende, kann sich dafür auch mal unter der Woche mit einer Freundin zum Kaffee verabreden oder am Abend das (ebenfalls talentierte) Tanzbein schwingen. Das bedeutet für Sandra Lebensqualität.

Kein Wunder, möchte sie an ihrem Leben zurzeit nichts ändern. Auch nicht an der Firmenstruktur. Trotz sehr gutem Geschäftsgang war für böörds eine personelle Aufstockung nie ein Thema. «Wenn Mitarbeitende für Fachmessen benötigt werden, kann man sie aus einem kleinen, flexiblen Freelance-Team rekrutieren», so Sandras Einstellung.

Ökologisch, ökonomisch & praktisch

Mit Drehgriff zur «Tubeschruberi»

Was aber nicht heisst, dass sich böörds in den vergangenen Jahren nicht weiterentwickelte. Im Gegenteil. Der Tütenhüter bekam neue Farben, neue Längen, und heute gibts ihn auch in personalisierter Form mit dem Kundenlogo für Firmen. Und dann gesellte sich plötzlich ein zweites Produkt dazu. «Den Anstoss dafür gab eigentlich die Kundschaft», erklärt Sandra. An Publikumsmessen hörte sie immer wieder, dass den Leuten ein Küchenhelfer fehle, um ihre Mayonnaise-, Senf- oder Tomatenpüree-Tuben besser auspressen zu können. Die Lösung: Wenn man den Tütenhüter zusätzlich mit einem Drehgriff versehen würde, wäre das Problem gelöst.

Gesagt, getan. Die «Tubeschruberi» war geboren, und der Tütenhüter hatte ab sofort eine Partnerin. Den Launch hatte die Tubeschruberi an der Olma 2021. Und wen wundert‘s: Auch sie wurde auf Anhieb zum Verkaufshit.

Dank dem ablösbaren Griff ist die Tubeschruberi auch als kleiner Tütenhüter verwendbar, mit dem sich Vanillezucker, Samen, Sprossen und Offentee einfach verschliessen lassen. Den Original-Tütenhüter und die Tubeschruberi gibt es übrigens auch in einer edlen Geschenkdose, die zugleich als praktische Aufbewahrungsdose für alle böörds-Produkte dient.

Auch online ein Erfolgsschlager

Keine Frage: Sandra Gschwend und Christian Diethelm haben den Schweizer Tütenverschluss-Markt revolutioniert. Der Tütenhüter und die Tubeschruberi sind nicht nur im boomenden Online-Shop (www.böörds.ch) erhältlich, sondern auch stationär in über 450 Läden in der ganzen Schweiz. Und dort sind sie alles andere als Ladenhüter. Vom Tütenhüter wurden bis heute über eine Million Stück verkauft, von der Tubeschruberi in sechs Monaten bereits 12'000 Stück. Zu böörds’ Kunden zählen grosse Unternehmen wie die Schweizerische Post, A.Vogel oder Orell Füssli. Daneben sind die böörds-Produkte natürlich in zahlreichen Haushalten anzutreffen.

Man kann getrost sagen: Herr und Frau Schweizer haben den Tütenhüter und die Tubeschruberi richtiggehend ins Herz geschlossen. Sandra und Christian freuen sich über diesen Erfolg und die grosse Community, die ihre Firma – nicht zuletzt wegen den intensiven Social-Media-Aktivitäten – hinter sich weiss. Doch die beiden freuen sich auch über jede kleine Form der Anerkennung. Wie neulich, als Sandra eine Familie mit zwei Kindern antraf. Das eine schien die Unternehmerin wiederzuerkennen und fragte ihre Mutter: «Mami, ist das nicht die vom Tiktok-Video?» Das sei schon cool, sagt Sandra.

Geschenk-Dose Tütenhüter

Schweizerisch, nachhaltig, sozial

«Wenn ich etwas tue, dann mit 100-prozentiger Hingabe», beschreibt Sandra die Unternehmerin Gschwend. «Ich bin zielorientiert und treffe gerne Entscheidungen.» Geduld gehöre hingegen nicht zu ihren Stärken: «Auf externe Entscheide warten zu müssen, das bringt mich auf die Palme.» Dafür sei sie konsequent. Das zeigt sich auch deutlich in der Firmenstrategie, wo es drei Punkte gibt, die Sandra und Christian besonders wichtig sind und von denen sie nie abweichen würden.

Einer heisst Swissness. Der Tütenhüter, die Tubeschruberi wie auch die Verpackungen werden im St. Galler Rheintal, also unweit des Firmenstandorts Widnau produziert. Eine Auslagerung der Produktion ins Ausland kam für Sandra und Christian nie infrage, obwohl sich damit viel Geld hätte einsparen lassen.

Der zweite Trumpf heisst Nachhaltigkeit. Die Produkte von böörds sind so solid gefertigt, dass sie Generationen überleben werden. In der Produktion wird überschüssiges Material geschreddert und direkt wiederverwertet. Zudem achtet man auf möglichst kurze Transportwege. Alles der Umwelt zuliebe.

Als Drittes liegt den beiden Ostschweizern das soziale Engagement am Herzen. böörds kooperiert eng mit der Stiftung arwole in Sargans. Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung stecken die böörds-Produkte zusammen und packen sie ab, alles in reiner Handarbeit.

Das Ausland lockt

Der Erfolg von böörds kommt nicht von ungefähr. Er und Sandra hätten einen «unbändigen Drang, etwas Neues zu entwickeln», erklärt der heute 33-jährige Christian. «Und wir funktionieren als Team hervorragend. Erstens, weil wir kurze Kommunikationswege haben. Zweitens, weil wir beide entscheidungsfreudig sind.» Er selber habe von der rasanten Entwicklung der Firma auch persönlich profitiert: «Was ich mir in diesen vier Jahre learning by doing beigebracht habe, hätte ich in keiner Weiterbildung der Welt lernen können.»

Und wie geht es weiter mit böörds? «Wir wollen die Ausbreitung auf dem Schweizer Markt weiter vorantreiben und dann auch auf den Exportmärkten Fuss fassen», sagen Sandra und Christian. Ihre Vision: «Dass der Begriff ‹Tütenhüter› dereinst Eingang in den Duden findet.»

Erstellt: 03.07.2022 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von onlineimpact. in Kooperation mit böörds AG erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.