Prof. Dr. Bruno Mascello im Interview «Rechtsfragen gehen nicht nur Juristen etwas an»

Nichtjuristen delegieren Rechtsfragen gerne an Juristen. Aber erst ein souveräner Umgang damit erlaubt eine informierte risikobasierte Entscheidung, meint Prof. Dr. Bruno Mascello.

IM INTERVIEW: Prof. Dr. Bruno Mascello

Herr Mascello, es braucht nicht für jeden Vertrag gleich einen Rechtsberater. In welchen Fällen würden Sie dennoch dafür plädieren?

Wenn es sich um einen ungewöhnlichen Vertrag handelt oder man einen Vertrag nicht richtig einschätzen kann. Aber auch wenn der Vertrag für ein Unternehmen von besonderer Bedeutung ist oder die damit verbundenen Risiken schlicht zu gross sind, würde ich den Fall in die Hände von Fachleuten geben.

 

Was raten Sie Unternehmen, die sich keine eigene Rechtsabteilung leisten können?

Sich für die Beschaffung von externen Rechtsdienstleistungen frühzeitig zu organisieren, also noch bevor man einen Rat benötigt. Denn wenn man einen Anwalt braucht, hat man für eine sorgfältige Recherche oft keine Zeit mehr und muss sich auf fremde Empfehlungen verlassen.

 

Welche Stolpersteine gibt es im Vertragsrecht?

Das beginnt bereits bei der Verhandlung, die den Inhalt des Vertrags und damit die Risikoverteilung der Vertragsparteien bestimmt. Dann ist bei der Ausformulierung des Vertrags Vorsicht geboten, damit dieser auch das Vereinbarte wirklich richtig reflektiert. Nach Unterzeichnung kann es Probleme bei der gegenseitigen Vertragserfüllung geben, was man ebenfalls schon im Vertrag vorausschauend regeln sollte. Schliesslich ist es sehr nützlich, wenn man weiss, was das Gesetz vorsieht, falls die Parteien etwas vergessen oder falsch formuliert haben sollten.

 

Wie kann man diese Fallstricke umgehen?

Indem man sich für rechtliche Fragen interessiert. Und das gilt ganz besonders für Nichtjuristen. Diese sind oft aus Nichtwissen, Bequemlichkeit oder weil man das Risiko delegieren will der Meinung, dafür sei die Rechtsabteilung zuständig. Diese Haltung treffe ich leider noch immer an, was dann regelmässig erst recht zu juristischen Problemen führt.

 

Ein Evergreen ist das Arbeitsrecht. Sollten auch Nichtjuristen das kleine 1x1 des Arbeitsrechts verstehen und woran denken Sie genau?

Zum Beispiel an das Thema Kündigung. Hier gibt es noch viele falsche Vorstellungen. Kündigt ein Arbeitgeber nicht richtig, kann das nicht nur Ärger geben, sondern schnell auch teuer werden und zu langwierigen Verhandlungen und Gerichtsprozessen führen. Und diese beeinflussen dann nicht nur die Ressourcen, sondern auch das Verhältnis zu den Mitarbeitenden, die solche Prozesse natürlich aufmerksam mitverfolgen.

 

Was macht das Arbeitsrecht so anspruchsvoll?

Dass es von Führungskräften – und leider manchmal sogar von Juristen und Anwälten – gerne unterschätzt und deshalb falsch beurteilt wird. Weil Arbeitsverträge zum Alltag gehören, hat man das Gefühl, dass man diese bei Bedarf schon im Griff habe. Und so geschehen dann schnell nicht wiedergutzumachende Fehler.

 

Blicken wir auf die Kanzleien: Wie werden diese betriebswirtschaftlich geführt und wie positionieren sie sich richtig im Markt?

Der erste Schritt besteht darin, zu verstehen, dass man ein Unternehmen ist. Als solches müssen sie sich gegenüber anderen Kanzleien und Rechtsdienstleistern richtig positionieren. Und das gilt insbesondere auch gegenüber ihren Kunden mit hausinternen Rechtsabteilungen. Es ist von Bedeutung, eine klare Strategie zu entwickeln und sich über das Ertragsmodell Gedanken zu machen. Einfach zu denken, man müsse für den Erfolg nur seinen Namen an die Türe hängen und nach Stunden abrechnen, ist ein Trugschluss.

 

Wie sieht ein richtiger Umgang mit den Kunden aus und welche Vorteile bringt dies mit sich?

Juristen und Anwälte definieren sich wie andere Experten auch über ihre Fachexpertise, was ihnen Sicherheit gibt. Es sind jedoch zwei Dinge zu beachten: Erstens setzen die Kunden schlicht voraus, dass sie einen juristisch korrekten Rechtsrat erhalten. Und zweitens beurteilen sie die anwaltliche Leistung nicht nach fachlichen Kriterien, sondern vielmehr über Service- und Beziehungskomponenten. Darüber sollten sich Anwälte ernsthaft Gedanken machen.

 

Von zwei aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit beziehungsweise ESG und Cybersecurity sind derzeit die meisten Unternehmen betroffen. Wie sollten sie sich darauf vorbereiten?

Diese zwei Themen haben tatsächlich einen grossen Impact auf Unternehmen. Sie sind erst seit Kurzem richtig relevant und weder die Praxis noch der Gesetzgeber haben hierfür schon abschliessend Lösungen und Empfehlungen gefunden. Auch Rechtsfragen sind ständig in Bewegung und man muss darauf achten, am Ball zu bleiben, neue Entwicklungen zu beobachten und eigene Umgangsweisen laufend anzupassen. Ich kann nur raten, sich stetig auf dem neuesten Stand zu halten und alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen zu nutzen.

Erstellt: 05.03.2023 07:00 Uhr

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Dieser Beitrag wurde von Xmediasolutions in Kooperation mit Prof. Dr. Bruno Mascello LL.M. erstellt. Die Redaktionen von Tages-Anzeiger und Tamedia / TX Group haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte.