Ressourcenmanagement Ökodämmstoff dank Agar Agar

Ein nachhaltiges Haus steht und fällt mit der Energieplanung und der Wahl der Materialien. In Zukunft könnte dabei laut einem Forscherteam aus Bozen mariner Mikroplastik eine Rolle spielen.

Ökodämmstoff dank Agar Agar

Ein bewusster Umgang mit vorhandenen Ressourcen, Minimierung des Energieverbrauchs, Nutzung erneuerbarer Energien etwa mittels Photovoltaikanlage und Schutz der Umwelt – wer nachhaltig baut, baut für die Zukunft. Auch mit Blick auf das allgemeingültige Nachhaltigkeitskonzept, das auf dem Dreisäulenmodell Ökonomie, Ökologie und Soziales basiert, lässt sich Nachhaltigkeit auch auf das Thema Bauen übertragen. Inwiefern? Ökonomisch, indem man ein Gebäude wirtschaftlich und über seinen Lebenszyklus betrachtet. Ökologisch, indem der ressourcen- und umweltschonende Bau und Betrieb erfüllt wird. Und sozial, indem vor diesem Hintergrund der Nutzer eines Gebäudes und dessen Komfort miteinbezogen wird.


Wichtig: Kreislaufwirtschaft

Die Nachfrage nach «grünen» Konzepten und bei den Schweizern, die beim Bau oder Kauf einer Immobilie auf nachhaltige Kriterien ein Augenmerk legen, steigt. Kein Wunder, profitieren Eigentümer doch von einem gesunden Wohnklima, der Reduktion von Energiekosten und einer längeren Gebäudelebensdauer. Nachhaltig bauen geht aber weit über ein begrüntes Dach auf einem Holzhaus hinaus, vor allem bei Neubauten heisst es, von Anfang an in der Planung daran denken, dass das Gebäude sich in den natürlichen Stoffkreislauf der Natur eingliedert. Das gelingt, indem wiederverwendbare oder -verwertbare Baustoffe, Materialien, die bei ihrer Herstellung möglichst geringe Umweltwirkungen verursachen, sowie nachhaltig erzeugte, nachwachsende Rohstoffe eingesetzt werden. Zu den ökologischen Baustoffen zählen unter anderem der Klassiker Holz, vollständig rezyklierbarer Lehm und Natursteine, über deren Einsatzgebiete der Natursteinverband Schweiz informiert. Wenn es um die Dämmung geht, eignen sich beispielsweise Holzfaser, Hanf, Zellulose oder Schafwolle als Alternative etwa zu Steinwolle.


Dämmung aus dem Ozean?

Doch es wird auch fleissig an neuen, innovativen Dämmstoffen getüftelt, welche eine gute Ökobilanz aufweisen. Wenn es nach dem Forscher Marco Caniato von der Freien Universität Bozen – Fakultät für Naturwissenschaften und Technik geht, dann kommt das Material für die Dämmung der Zukunft aus unseren Ozeanen. Es handelt sich dabei um einen «Rohstoff», der dort nicht hingehört. Die Rede ist von Plastikabfall, der rund drei Viertel des Mülls im Meer ausmacht. Bisher scheiterte dessen Wiederverwendung an der Vermischung der Plastikpartikel mit anderen Abfällen sowie Meersalz. Die patentierte Erfindung von Caniato beruht auf der Nutzung eines Biopolymers, das sich als extrem effizientes thermisches und akustisches Isoliermaterial erwiesen hat. Dieses Polymer entwickelte der Wissenschaftler aus einem Extrakt der Meeresalge Agar Agar, das auch als pflanzliches Geliermittel bekannt ist, das nach Zugabe von Kalziumkarbonat mit pulverisiertem Kunststoff vermischt wird. Nach dem Gelieren wird dem Material durch Gefriertrocknen das Wasser entzogen. Das Ergebnis: ein poröses Material, das zum Beispiel als Alternative zu Steinwolle verwendet werden kann. «Unsere Charakterisierungstests haben bestätigt, dass unser Produkt hervorragende Dämmeigenschaften hat und problemlos mit herkömmlichen Dämmstoffen wie Steinwolle oder Polyurethanschaumstoffen mithalten kann», unterstreicht Caniato. «Wir haben bewiesen, dass es mit einem nachhaltigen, sauberen und ökologischen Ansatz möglich ist, Meeresabfälle zu recyceln und daraus ein sowohl ökologisches wie auch wirtschaftlich überzeugendes Produkt herzustellen.»


Durchdachte Energieplanung

Bevor dieser innovative Dämmstoff aus den Ozeanen der Welt auf den Markt kommt, vergeht noch einiges an Zeit. Kein Grund, heute nicht nachhaltig zu bauen oder zu sanieren. Neben der Wahl der Materialien ebenso wichtig: die Energieplanung frühzeitig anzugehen. Dazu gehört nicht nur die Wärmedämmung. Es fängt mit der Ausrichtung des Gebäudes an, geht über den Entscheid für die Bauweise bis hin zur Wahl alternativer Heizung, Warmwasserbereitstellung, die Nutzung erneuerbarer Energien oder auch der Klärung der Frage nach der Stromerzeugung. Ob Wärmepumpe oder Mikro-Blockheizkraftwerk im Keller, Photovoltaikanlage auf dem Dach oder intelligent vernetzte Haussteuerung – die Möglichkeiten energieeffizient(er) zu wohnen, sind heutzutage riesig. Wer hier investiert, spart langfristig Kosten und schont die Umwelt durch Senkung der CO2-Emissionen. Ausserdem sichern zukunftsfähige Gebäude eine langfristige Wertstabilität. Nachhaltigkeit rechnet sich also in mehr als einer Hinsicht.

Erstellt: 09.08.2021 07:00 Uhr

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