Deutschlandreise Reise durch die Zeiten

Im Planwagen durch die ostdeutsche Prärie, in Wanderstiefeln zum Hexentanzplatz oder im Spazierschritt durch mittelalterliche Städte und die Bauhaussiedlungen der Moderne – eine Reise durch Sachsen-Anhalt ist wie ein Trip durch die deutsche Geschichte.

Reise durch die Zeiten

Etwa 165 Kilometer westlich der deutschen Hauptstadt Berlin liegt die «Middle of Nüscht» – die Mitte des Nichts. Trostlos ist die Altmark, eine nördliche Region Sachsen-Anhalts, aber keineswegs. Wild romantisch und weit sind die Landschaften, schattig kühl die Wälder, gut bestellt die Felder, und zwischendrin gibt es immer wieder tiefblaue Seen und winzige Dörfer. Erkunden können Urlauber die Altmark seit einigen Jahren im Planwagen. Ein kräftiger Kaltblüter zieht den liebevoll gestalteten Wagen über rumpelige Feldwege und kaum befahrene Strassen. Eine Woche dauert die Tour, jeden Tag legen die Urlauber etwa 15 Kilometer zurück. Am Ende jeder Etappe ist eine Übernachtungsstation für sie reserviert – mal auf einem wunderschönen alten Bauernhof, mal auf einem grosszügigen Reiterhof. Immer gibt es aber eine Weide für das Pferd und einen Stellplatz für den Wagen. Mehr Luxus gibt es bei der Abenteuertour durch die Altmark aber nicht. Die Urlauber sind Selbstversorger, der Wagen bietet eine kleine Campingküche und eine Sitzecke, für Kraftfutter und Wasser ist gesorgt. Auch die Aufgaben von Kutscher und Pferdewirt übernehmen die Urlauber selbst. Dafür gibt es am ersten Tag eine Einführung im Anschirren und Umgang mit Tier und Wagen. Doch keine Sorge: Die Pferde sind geduldig und können mit jeglicher Verkehrssituation umgehen. Im Planwagen durch Sachsen-Anhalt – eine solche Art des Reisens ist sicher auch für viele Eidgenossen noch neu. Mit sechs Stundenkilometern und so ganz auf sich gestellt in den einsamen Weiten des ostdeutschen Bundeslands verspricht die Reise ein echtes Abenteuer zu werden. Aber auch Sightseeing gibt es auf der Route. So führt der Kaltblüter vorbei an alten Klöstern, schönen Kirchen und der «Mitte der Welt» am Dorfteich von Poppau.

Harz statt Alpen

Die Gebirgszüge der Alpen mit ihren schneebedeckten Wipfeln kennen die Eidgenossen wie ihre Westentasche. Anders dagegen der Harz. Das Mittelgebirge im Zentrum Deutschlands lädt zu ausgedehnten Wanderungen durch raue Landschaften. Auf 1’140 Meter geht es hinauf zum Brocken, auf gut 450 Metern liegt der sagenumwobene Hexentanzplatz. In der Walpurgisnacht feierten hier angeblich die Wald- und Berggöttinnen den nahenden Frühling. Heute erinnern hier Messinggestalten in Form von Hexe, Teufel und Homunkulus an die alten Sagen. Doch auch fernab des Harzes ist Sachsen-Anhalt reich an unberührter Natur und malerischer Landschaft: Die weiten Auen im Biosphärenreservat Mittelelbe laden ebenso wie die Weinberge an Saale und Unstrut dazu ein, die Seele ein wenig baumeln zu lassen. Das wusste auch schon Johann Wolfgang Goethe und bekannte in Wörlitz: «Hier ist es jetzt unglaublich schön.» Gemeint hat er das Wörlitzer Schloss und das Gotische Haus samt Schlossgarten, Schochs Garten, Weidenheger, Neumarks Garten und Neuen Anlagen, die durch Seen und Kanäle getrennt und wiederum alle mit Wegen oder Brücken miteinander verbunden sind.

Über die Stasse der Romantik in die Moderne

Eine der beliebtesten Tourismusrouten Deutschlands ist die Strasse der Romanik – jährlich bereisen rund 1,6 Millionen Besucher die 65 historischen Städte entlang der 1’200 Kilometer langen Ferienstrasse. Die Strasse verbindet die Dome, Bur[1]gen, Klöster und Kirchen, die in der Zeit vom 10. bis Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden. Im Mittelpunkt steht natürlich die Landeshauptstadt Magdeburg mit ihrem Dom, dem Kloster Unser Lieben Frauen, der St.-Petri-Kirche sowie der St.- Sebastian-Kirche. Auf der Südroute folgen die Geschichtsinteressierten den Spuren der Ottonen – vom Harz bis in die Saale-Unstrut-Region. In keinem Reiseplan fehlen darf ein Abstecher nach Naumburg: Der Dom gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Spätromanik. Etwa eine Autostunde von Naumburg entfernt wird es dann ganz modern: In Dessau liess Walter Gropius in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts seine Architekturträume eines zeitgemässen Schulgebäudes wahr werden. Der Gebäudekomplex ist heute Teil der UNESCO-Welterbestätte Bauhaus. Zwischen 1925 und 1932 entstanden ausserdem in Dessau verschiedene andere Bauten der Bauhaus-Architekten, so unter anderem die Siedlung Törten, das Arbeitsamt und die Ausflugsgaststätte Kornhaus. Im vergangenen Jahr beging der Bauhaus Verbund unter dem Motto «Die Welt neu denken» sein 100-jähriges Gründungsjubiläum. Doch auch für 2020 sind noch zahlreiche Veranstaltungen zu den Ursprüngen und Wirkungsstätten der Moderne geplant.

Erstellt: 30.11.2021 07:00 Uhr

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